Fortbildung in Traumapädagogik / Psychotraumatologie
„Wege zu einer bindungsorientierten und traumasensiblen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – vom Verstehen zum Handeln“
Kinder und Jugendliche, die oft unglaubliche Leidensgeschichten durchlebt haben, in der Jugendhilfe als „Systemsprenger“ etikettiert, erhalten häufig nicht die Unterstützung, die sie bräuchten, um von den eigenen, oft untauglichen Bewältigungsstrategien zu lassen:
- Sie übertragen traumatische Lebenserfahrungen auf andere.
- Sie bunkern Essen, weil sie fast verhungert wären.
- Sie schlagen, damit sie nicht selbst geschlagen werden.
- Sie prostituieren sich, weil sie gelernt haben, dass das Zuwendung bedeutet.
- Sie nehmen keine Hilfe an, weil sie Erwachsene bislang nie als hilfreich erlebt haben.
- Sie haben Schwierigkeiten mit Beziehungen.
- Sie kleben am Rockzipfel der Pädagogen/innen, weil diese ja sonst abhauen könnten wie die Mutter oder der Vater.
- Sie sind übererregt, ständig auf der Hut, fühlen sich immerzu angegriffen und explodieren völlig unvermittelt.
- Oder sie sind nicht zu fassen, zu spüren, vermeiden den Kontakt, fühlen sich und die Welt nicht, sie dissoziieren.
- Möglicherweise betäuben sie sich, um belastende Bilder, Gedanken und Stimmen wegzuschieben.
- Sie suchen Hilfe und wissen nicht wie.
In dieser Fortbildungsreihe über 4 Module sollen die Erkenntnisse über Bindung und Trauma für die Förderung von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Das Verstehen kindlicher Traumaentwicklungsstörungen hängt unabdingbar mit den jeweiligen Bindungserfahrungen zusammen. Die Sensibilisierung hierzu sowie das Erforschen der „guten Gründe“ ihres Verhaltens können zu wieder neuen Handlungsmöglichkeiten und Perspektiven für diese Hochrisikogruppe führen.
Vier Module
Die Module sind nach dem Baukastenprinzip aufeinander bezogen und haben – je nach Bedarf und Intensitätswünschen – unterschiedliche Längen.
Modul 1: Grundlagen der Bindung und der Bindungsforschung Inhalte: Über die emotionale Bindung, die Bindungstheorie, die Bedeutung der Feinfühligkeit der Bindungspersonen und die verschiedenen Bindungsqualitäten.
Modul 2: Bindungsstörungen und ihre pädagogischen Herausforderungen Inhalte: Von den eigenen Bindungsrepräsentationen, den Zusammenhang von Bindung und Trauma bis hin zur Klassifikation von Bindungsstörungen und den Umgang damit im pädagogischen Alltag anhand von Fallbeispielen.
Modul 3: Was ist ein Trauma? – Einführung in die Psychotraumatologie (incl. Verstehenshilfe für Kinder und Jugendliche) Inhalte: Über das Störungsbild einer Traumafolgestörung bis hin zur Enwicklungstraumatisierung als häufigster Hintergrund der Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe, die Arbeit mit dem Stresstoleranzfenster sowie ein Überblick über biopsychologische Vorgänge nach traumatischen Ereignissen („Traumatische Zange“) einschließlich dem Zwiebelschalenmodell als Verstehens- und Erklärungshilfe.
Modul 4: Traumapädagogik: Grundlagen und Methoden Inhalte: Über die traumapädagogische Grundhaltung und den Kernstücken der Traumapädagogik, in Verbindung mit Übungen und dem Erproben zentraler Methoden, auch der traumasensiblen Reflexion eigener Fälle bis hin zur Selbstfürsorge, zum Umgang mit eigenem Stress.
Handout: Die TeilnehmerInnen erhalten ein umfangreiches Handout zur Veranstaltung.